Freitag, 16. Juni 2017

Endlich Sommer

Der Juni beginnt mit einem besonders schönen Ereignis!
Mein Papa kommt zu Besuch vorbei.
Unsere gemeinsame Zeit hier wissen wir gut zu nutzen. Nach dem Frühstück füttern wir gemeinsam mit Inhaber Michael unsere 5 Rentiere. Mittlerweile haben die Meisten von ihnen ihre Scheu abgelegt und kommen bis auf wenige Zentimeter an einen heran.

https://www.youtube.com/watch?v=OHxhZX7TNbk
So sieht eine Fütterung in etwa aus. 

Vom Gehege aus ging es weiter auf eine kleine Wanderung entlang am Fluss. Wir sind wörtlich über Stock und Stein gelaufen, nicht zu vergessen die kleineren Eisfelder oder geflutetes Unterholz. Die Landschaft war zwar in ihren Farben noch etwas kühl für Anfang Juni hat aber nichts an der atemberaubenden Erscheinung eingebüßt.



Insgesamt bin ich gut 2 mal richtig durch den Schnee in einen sich darunter entwickelnden Fluss aus Schmelzwasser eingebrochen. Nicht erwähnenswert, dass meine Füße total verfroren und rot angelaufen waren.
Dementsprechend haben wir uns erst einmal im Warmen ausgeruht und Knäckebrot schnabuliert. Vor dem Abendessen sind wir noch zur 5km entfernten Huskyfarm spaziert. Christian, der Inhaber, hat uns viel über seine Huskies erzählen können, während die Welpen wie verrückt um uns herum gesprungen sind. Am beeindruckensten fand ich, dass Huskies bis zu 22h am Stück rennen können und dabei 11'000 Kalorien verbrennen - ein fetthaltiger Snack ist für sie also interessanter als Wasser. :)

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Das Sommertraining

Am nächsten Morgen sind wir in die Stadt gefahren um uns im Alta Museum die Felsritzungen von vor ca. 5000 Jahren anzuschauen. Ich fand es persönlich sehr spannend und interessant die Zeichen zu suchen und zu versuchen diese zu deuten. Leider blättert die obere Gesteinsschicht (in welcher sich die Ritzungen befinden) ab, was den Erhalt des Weltkulturerbes und das Suchen nach Ritzungen erschwert.



Nachdem wir in eine Rundfahrt durch die Innenstadt gemacht haben und bei den zwei Kirchen der Stadt anhielten sind wir zurück zur Lodge. Und dann ist es passiert. Auf dem Rückweg. Auf unserem Feldweg, ca. 2 Kilometer von der Lodge entfernt. Ein ELCH ist über die Straße gesprungen. Hat sich vom Fluss in die Wälder gerettet. Auf seiner Höhe angekommen war nur noch ein Weibchen zu sehen, welches uns furchtlos aus dem sicheren Dickicht beobachtete.



Das war es auch schon wieder mit dem Besuch. Papa, es war super dich hier zu haben! Nur doof, dass du am Tag des Sommerbeginns nach hause geflogen bist.
Für die nächsten 8 Tage nach deiner Abreise war hier nur strahlend blauer Himmel mit Temperaturen bis zu 23°C. Auch die Landschaft hat nur 3 Tage gebraucht um im Grün zu explodieren! Das perfekte Wetter um auf der Terrasse zu entspannen oder in der freien Minuten sich mit Kollegen im Bogenschießen zu messen.





Samstag, 20. Mai 2017

Nasjonaldagen 17.05 Alta

Am 17.05.1814 wurde in Eidsvoll das Grundgesetz des Königreichs Norwegen verabschiedet. Dieser Verfassungstag übernimmt die Funktion des Nationalfeiertags.
Schon Wochen zuvor kann man in jedem erdenklichen Laden Anstecker, Fahnen, Wimpel und viele anderen Dekorationsartikel in den nationalen Farben rot, blau und weiß kaufen.
Ein "gewöhnlicher" Nationalfeiertag beginnt mit Waffeln zum Frühstück! Beliebte Toppings sind zum Beispiel Schoki oder Früchte. Gestärkt bricht man zur Parade auf.
Die meisten Norweger ziehen für diesen Anlass ihre Tracht an. Die Trachten sind individuell, so dass man der Schönheit und Vielfalt mit einfachen Fotos nicht wirklich gerecht wird. Wer sich nicht mit Trachten schmückt, ziert das eigene Outfit mit einem Anstecker, welcher die norwegische Flagge zeigt. Auch Kinder laufen  in Sonntagskleidung umher und Babys die noch im Kinderwagen geschoben werden bekommen den Wagen mit Flaggen und Bannern geschmückt.



Es scheint, als ob die ganze Stadt die Fahne schwenkt. Selbst jeder Blumentopf wurde mit jeweils 2 Fähnchen verziert. Um nicht als Touristen aufzufallen zwischen den ganzen Norwegern haben Marcius und ich einen Blumentopf seiner Fahnen beraubt und uns an die Hauptstraße gestellt um die Parade zu empfangen. (Aber psst!)


Alta ist mit 13'000 Einwohnern keine große Stadt. Außerdem wollen die meisten Einwohner selber in der Parade mit laufen, damit bleiben kaum Leute übrig, die vom Straßenrand aus zuwinken können. Was tut man also? Genau - Es gibt zwei Paraden, die sich von beiden Enden der Stadt entgegen laufen und in der Mitte treffen. So können sich alle Leute der Stadt zum Feiertag zuwinken und trotzdem Teil einer Parade sein. Clever.

Angeführt werden die Paraden von einem Polizisten, ihm folgen Kinder, welche die Flaggen schwenken. Dahinter schließen sich Bläsergruppen, Schulklassen und Kindergärten an. Jede Schule/ Kindergarten wird dabei angeführt von ihrem Patchwork-Banner.


Am Ende beider  Routen treffen die Paraden auf dem großen Platz in der Innenstadt zusammen. Man würde nicht vermuten, dass der Platz so voll gestopft sein könnte.

Als alle versammelt waren hörte man aus einer Seitenstraße plötzlich laute Musik und eine Reihe von Oldtimern fuhr auf den Parkplatz. Gefolgt wurden sie von den Wagen der RUSS. Russ sind die Schüler im Abschlussjahr. Von Anfang Mai bis zum Nationalfeiertag laufen sie in Overalls (rot, blau oder schwarz - die Farben stehen für ihre Neigungskurse) herum und feiern das Ende ihrer Schulzeit.



Auf dem Platz folgen einige Reden, Musik und Tanzgruppen. Wenn ihren Teil zum Besten gegeben haben, kehrt man zurück nach Hause für KUCHEN! Ganz wichtig.  Auch in Ongajok, unserer Lodge, hat ein herrlicher Strawberry-Cheesecake auf uns gewartet. Den Tag haben wir dann mit einem Besuch in der Hauseigenen Sauna abgerundet.

Da bleibt mir nur eins zu sagen: Gratulerer med dagen!


Sonntag, 7. Mai 2017

Ålesund und Bergen

Für eine Woche konnte ich dem verschneiten Tal in Alta "entfliehen". Unterschiedlicher hätten die Eindrücke in dieser Woche nicht sein können! Von dem verschneiten Alta ging es in die frühlingshafte Jugenstilstadt Alesund und weiter in eine überfüllte UNESCO Weltkulturerbestadt Bergen. 

Nach gefühlt unendlich vielen Flügen, bin ich endlich auf einer der vielen Inseln der Stadt Alesund gelandet. Überraschenderweise bei blauem Himmel und Sonnenschein. Die Region ist bekannt dafür an über 200 Tagen im Jahr von Regen heimgesucht zu werden. 
Um einen Eindruck der Stadt zu bekommen bin ich auf den Berg "Aksla" gestiegen. 481 Stufen später ... 
  

Selbst das Zentrum der Stadt liegt auf mehrere Inseln verteilt. Bekannt wurde die Stadt, durch die Unterstützung von Kaiser Wilhelm II. Nach einem Brand, der die ganze Stadt 1904 zerstörte, half der deutsche Kaiser beim Wiederaufbau. Innerhalb von 3 Jahren wurde die Stadt brandsicher im Jugendstil neu gebaut.



Nach einem Picknick am Leuchtturm. Habe ich mich in den Gassen der kleinen Hafenstadt verloren. Erst zum Sonnenuntergang bin ich wieder an der Hafenpromenade angekommen. Ein wunderbar friedlicher Moment!


Früh am Morgen ging es mit einiger Angst, der Pilot hat technische Schwierigkeiten am Flugzeug erwähnt, weiter nach Bergen. Nach über einem Monat in der Einsamkeit bzw. kleinen Städtchen musste man sich erst einmal an die großen Menschenmengen, Straßenbahnen und Ampeln gewöhnen. Das hat schon einen halben Tag gedauert! Verloren in dem Straßenwirrwarr habe ich schöne Ecken entdecken können!


Von dem Berg "Floyen" habe ich zusammen mit Ziegen (!) den Ausblick genossen. Etwas bizarr aber unvergesslich!


Bekannt ist Bergen für "Bryggen" (deutsche Brücke) zu Zeiten der Hanse geworden. Bergen selber war nie eine Hansestadt, sondern nur Kontor. 


Der Tag hat mit der Besichtigung der Festungsanlage "Bergenhus" geendet. Die Anlage ist riesig aber die eigentlichen Gebäude auf dem Gelände sind im Vergleich eher winzig.


Zum Schluss noch meine absoluten Highlights! 
1) Eine Fjordrundfahrt! 
Eingemummelt in Schal, Stirnband, Pulli, Jacke, etc. bin ich fast auf dem Oberdeck erfroren! Die Aussicht war es aber alle mal Wert. Wie von Zauberhand tauchen die Berge in saftig-leuchtenden Farben aus dem Wasser.  



2) Eine Wanderung auf den höchsten Stadtberg von Bergen.
So langsam zweifel ich an meinem Orientierungssinn! Auf dem Weg zum Gipfel habe ich nur 2 Leute getroffen und bin durch das Unterholz gestolpert. (Die bräuchten echt mehr Wegweiser.) Belohnt wurde man aber mit der Aussicht auf die Stadt, Bergseen und ... Schneefelder. 




Mit Muskelkater und Sonnenbrand habe ich ein letztes mal den Sonnenuntergang vom Hafen aus beobachtet. 


Man meisten an der Reise werde ich die neu gewonnenen Freunde vermissen! Aus den verschiedensten Ländern, aus den verschiedensten Gründen kamen wir irgendwie im Gemeinschaftsraum des Hostels zusammen. Geschichten, Essen und Tipps wurden geteilt. 

Zurück in Alta taut bereits das Eis und man muss sich fürchten bald zu ertrinken. Aber zum Glück herrscht gerade wieder ein Schneesturm, also ist alles beim Alten!

Dienstag, 18. April 2017

Das Leben in der Off-Saison

Der erste Tag versank im absoluten Chaos! 
Ich war noch nicht einmal in dem Flugzeug von Olso nach Alta und hatte mein Handy bereits zwei mal verloren. Erstmals im Flughafenbus, welcher mich zum Flughafen in Trondheim gebracht hatte. Da konnte ich von Glück reden, dass ich so früh dran war. Genau zwanzig Minuten vor Abflug hatte der Bus seine nächste Runde fertig und stand vor dem Terminal. Der Busfahrer hatte das Handy eingesammelt und mir wieder gegeben. Nach einem kurzen Sprint durch die Sicherheitskontrolle habe ich dann auch den Flieger erwischt. Später habe ich mein Handy dann noch auf der Flughafentoilette in Olso liegen lassen, aber zum Glück sofort bemerkt. Mit all meinen Sachen ging es dann auch endlich auf nach Alta.



Nach zwei Stunden warten am Flughafen wurde ich dann auch endlich abgeholt. ... Man hatte vergessen, dass ich an dem Tag ankam. bzw man vergessen, dass ich überhaupt komme.
Super Start. Wir fahren und fahren. Nach 30 min Fahrt in ein entlegenes Tal, die letzten 4 km war das nur ein Feldweg, sind wir am Ziel. Mit dem ersehnten Mittagessen im Bauch geht es auf zu einer Spritztour mit dem Schneemobil. Am Abend falle ich völlig erschöpft ins Bett.
Die nächsten Tage bestanden aus weiten Schneemobiltouren, Hund streicheln, eingewöhnen und essen.



Nachdem sich 3 Tage nach meiner Ankunft das letzte Gästepaar verabschiedet hatte endete die Wintersaison hier in Norwegen. Bis Ende Mai werden hier keine Gäste kommen. Deswegen gestallten sich die tage etwas langweilig. Essen, Schlafen und lesen. Das absolute Highlight sind die Besuche bei unseren 5 Rentieren. 3 von ihnen kann man streicheln und 2 von ihnen sogar füttern. Meine Lieblinge sind eindeutig Cinnamon und Lizzard!



Man merkt gar nicht wie schnell die Tage verstreichen und schon sind 2 Wochen um. Die übliche "2 Wochen Depression" setzt ein. Jeder mit dem ich gesprochen habe, der auch schon Auslandsaufenthalte hinter sich hatte, bestätigt das. Nach 2 Wochen, wenn man sich langsam an alles gewöhnt hat, sackt man in sich zusammen. Man stellt in Frage warum man überhaupt weg gegangen ist, man fragt sich ob man das durchhält. Zum Glück steht Ostern vor der Tür! Und nach einem Schneesturm am Morgen des Ostersonntags strahlt auch endlich die Sonne wieder!



Ich freue mich schon auf die nächsten Tage! in einer Woche kommen Gäste für eine Tagung vorbei und nach deren Abreise nehme ich mir eine Woche frei um die Städte Ålesund und Bergen zu bereisen.

Samstag, 8. April 2017

Velkommen i Norge

So schnell kann es gehen. Vor fast 4 Monaten habe ich meinen letzten Eintrag über Spanien verfasst. Die Zwischenzeit habe ich gut überbrücken können und zum Akklimatisieren genutzt! Außerdem war es sehr schön bekannte Gesichter von Freunden und Familie zu sehen. :) 
Jetzt steht das Abenteuer Norwegen an. Bevor ich mich aber in die entlegene Region Finnmark aufmache musste ich einfach noch in einer größeren Stadt vorbeischauen. Da bietet sich Trondheim an, denn Runar (einer meiner Gastbrüder aus Schottland) studiert dort.

Auf nach Trondheim!
Flüge sind meiner Meinung nach immer anstrengend und nervenaufreibend. Wenn man dann aber auch noch beim Umsteigen am Flughafen Oslo den Stress hat von Gate A zu E in weniger als einer Stunde zu gelangen, macht alles keinen Spaß mehr. Ich muss nicht erwähnen, dass ich sehr kurze Beinchen habe und das in der Situation nicht unbedingt vorteilhaft ist.



Die beste Situation überhaupt, war am Gepäckband in Trondheim. Zwei weitere Frauen und ich haben unsere Koffer nicht gefunden. Gepäckband 1, also das Erste wenn man aus dem Flieger rauskommt. Klingt logisch, war aber nicht so! ^^ Nach 10 min hin und her irren fällt der Einen auf, dass wir an Band 3 stehen und Band 1 in einer kleinen Ecke versteckt liegt ... mit unseren Koffern. Halleluja!
Erster Tag in Trondheim. Erstmal hoch auf die Festung "Kristiansten". Von dort aus hat man eine unbeschreibliche Aussicht über die Stadt, den Fjord und die hinterm Fjord in die Höhe ragenden Berge.




Über die alte Stadtbrücke "Gamle Byrbo", vorbei an alten bunt angestrichenen Fischerhütten, welche früher das Stadtbild von Trondheim prägten.



Endlich am Dom! Der "Nidaros Dom" ist nicht nur DAS Wahrzeichen Trondheims, wunderschön verziert und aufwendig renoviert sondern auch ein guter Platz um sich ein bisschen aufzuwärmen! Die Besichtigung war nur etwas seltsam, denn im Altarraum wurde eine Beerdigung für später vorbereitet. Ich fand es zumindest komisch auf einmal während der Besichtigung neben einem Sarg zu stehen. :/


Interessant war auch die Ausstellung der Kronjuwelen gleich neben dem Dom. Hier eine Frage: Müssen die Edelsteine auf einer Königskrone symmetrisch angebracht sein? Wenn ja, ist in Norwegen einiges falsch! Oder ich bin was Symmetrie angeht einfach ein bisschen zu perfektionistisch. :)
> auf einer Seite sind ein türkiser Stein und 2 Rubine und auf der anderen Seite einfach mal 3 Rubine.



Nach einem kleinen Spaziergang am Hafen und Strand (ja Strand) entlang, habe ich in einem kleinen Café auf Runar gewartet. Wir haben uns fast drei Jahre lang nicht gesehen! Er hat sich echt nicht verändert. Genauso überdreht und liebenswert, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Und das Beste: mein anderer Gastbruder Mikal will ab September auch nach Trondheim für sein Studium ziehen! Wenn ich dann in Edinburgh (also in der Nähe unserer Gastmutter Anna) wohne, steht einem Familientreffen nichts mehr im Weg. Das DreamTeam nur noch auf zwei Standorte verteilt, dass wird einiges vereinfachen! :))




Nach einer naja sehr unruhigen Nacht bin ich mit Runar zur Uni. Das Hauptgebäude der "NTNU" gleicht einem Schloss, echt unfassbar! Nach einem Ausflug in den "Ilaparken" ging es nochmals zum Segelhafen. Wie die kleinen Bootchen sachte schaukeln und im Hintergrund die massiven Berge strahlen hat mich schwer beeindruckt!





Bevor es am nächsten Morgen schon wieder früh weiter nach Alta hoch in den Norden geht musste ich kleiner Tourist noch ein paar Sachen abklappern. Marktplatz mit Olav-Säule (bei Namen: wenn nicht Olav dann Hakon. Immer!), Sommerresidenz der Könige und die Stadtbibliothek. Ein Geheimtipp war die Hauptfiliale der Sparebank 1SMN. In deren keller liegt nämlich eine Kirchenruine aus dem Mittelalter und die Ausstellung "Salamandernacht". Letzteres ist absolut gruselig. Man läuft in einen Raum, der stockduster ist. Schlagartig werden die Scheinwerfer angemacht und man steht verloren in der Mitte. An den Wänden reihen sich künstliche, überdimensional große Skelette, die auf einen herabstarren. Naja, nicht so meins!


Alles in allem bin ich bis jetzt schwer begeistert von Trondheim/ Norwegen. Die kleinen bunt angestrichenen Häuser haben es mit angetan. Auch die Norweger selbst sind unglaublich freundlich. Skandinavier werden oft als kühl und zurückhaltend dargestellt. Zurückhaltend ja, aber nur bis man sie anspricht. Alle waren froh und glücklich, wenn sie mir helfen konnten. Im Gegensatz zu Spaniern wissen Norweger außerdem, wann man genug von ihnen hat und sie wieder verschwinden können. Sehr sympatisch!

Samstag, 17. Dezember 2016

Himmel und Hölle

Am Sonntag hatte ich noch über Pablo gelacht, als er mir erklären wollte, dass in Spanien Dienstag der 13 als Unglückstag gilt und nicht Freitag der 13. Naja, hätte ich mal lieber auf ihn gehört.
Diesen Dienstag ist einfach so viel schief gegangen.

Alles hat mit Kopfschmerzen beim Aufstehen angefangen. Das ist an sich ja nicht schlimm. Also stand für mich auch soweit nichts im Weg, um nach Xàtiva zu fahren. Aber bevor ich auf die Burg dort zusprechen komme ist noch einiges im Zug passiert. Seit bereits mehreren Tagen war meine linke Kontaktlinse leicht angerissen, aber weil es meine letzte war, habe ich die natürlich weiter getragen. Dann saß ich im Zug und mein Auge hat auf einmal angefangen höllisch zu brennen. Die Augentropfen haben nichts geholfen, weshalb ich die Linse herausnehmen wollte. Nach ein bisschen im Auge herum fischen und vielen seltsamen Blicken der Mitreisenden hatte ich sie dann in der Hand. Die eine Hälfte der Linse. Verdammt! Ich konnte den Rest der Linse wirklich nicht finden. Den ganzen Tag bin ich halb blind durch die Gegend gelaufen (Treppen waren dabei das schlimmste). Besonders unangenehm war, dass auch nach einer Weile so eine Art "Motion- Sickness" einsetzt, weil das Gehirn nicht damit klar kommt.

  • Ich bin dann am Mittwoch noch in die Notaufnahme vom Krankenhaus, weil mein Auge Bult unterlaufen war und tierisch weh tat. Das Krankenhaus war fürchterlich. Mann kommt sich vor wie in der Massentierhaltung. Als erstes das obligatorische Armbändchen mit Strichcode und den wichtigsten Informationen. Dann wird man von einer Schwester in einen abgesonderten, überfüllten Warteraum mit einer zweiten Meldestelle geführt. In dem Raum, wo man wartet waren 10 Sitzreihen a 6 Stühlen (voll besetzt), eine Rollstuhlflotte an der Seite des Raumes plaziert und natürlich die Krankenbetten aus den Rettungswägen, die im vorderen Bereich abgestellt wurden. Dann gibt es noch mich, ich stehe in der ecke wie so viele andere, die einfach keinen Platz finden. Ein Glück hatte die Augenärztin dort eher gar keine Aufträge und ich wurde schon nach 15 min warten aufgerufen. Mit Spachtel, Farbtropfen und UV-Licht hat sie in meinem Auge rum hantiert. Ohne etwas zu finden außer eine leichte Entzündung, weil so viel in meinem Auge rum getatscht wurde. 
Also zurück zu Xàtiva. Den Straßenschildern folgend bin auf dem Rathausplatz auf das nachgebaute Betlehemdorf gestoßen. Zuckersüß! Mit liebevoller Handarbeit und Tieren wie Hasen, Enten, Hühner, Schweine und einem Kamel! 




Die Schilder haben mich weiter vorbei an einer wunderschönen Kirche bis hin zu einer verlassenen fast dörflichen Kreuzung.



Der Man, der dort etwas verlassen stand hat mir gesgat ich wäre auf dem richtigen Weg. "Einfach dem Weg den Berg hinauf zu der kleinen Kirche folgen." Klingt eigentlich einfach, wären da nicht die zwei Hunde gewesen. Kaum bin ich ein paar Stufen des Weges hoch gestiegen sind die beiden Hunde Zähne fletschend und bellend auf mich zu begrannt, sind an mir hoch gesprungen und einer hat mich sogar in  den Arm gebissen. Zum Glück war da noch meine Jacke im Weg, also ist die Stelle am Arm nur blau und geschwollen. was mich eigentlich gerettet hat ist, dass ich deutsch spreche. Die Befehle "aus" und "Sitz" haben die Hunde dann doch so sehr eingeschüchtert, dass sie mich in Ruhe gelassen haben. Insgesamt 3 mal haben mich diese bescheuerten Hunde angefallen (eigentlich immer, nachdem sie sich kurz weg gedreht haben). Völlig außer Atem und verschreckt habe ich dann nach einer Stunde Wanderung (also auf dem längst möglichen Weg) die Burg erreicht. 
Die Stadt Xàtiva wurde bekannt, da um 1150 die Mauren dort das erste Papier auf europäischen Boden hergestellt haben. Die Burg "El Castillo" liegt in der 115m hohen Gebirgskette. Von dort kann man die wunderschöne Aussicht aus der Vogelperspektive auf die Landschaft der Region Valencia genießen. Bereits die Römer haben Teile der Burg errichtet. Bis heute kann man römische Spuren, die Spuren der Mauren, der Habsburger und vieler anderer in den Ruinen betrachten. Das ganze ist auf geteilt in eine Große Burg "Castillo Mayor" und eine kleine Burg "Castillo Menor". Verbunden werden sie durch den Wappenhof. Hier ein paar Eindrücke: 





Zurück in Valencia habe ich mich noch mit meinen Arbeitskollegen getroffen. Wir waren Bier trinken, weil sie wollten, dass ich mich auch heimisch fühle. Süß oder? :P Überhaupt bin ich sehr traurig, dass heute (16.12) mein letzter Arbeitstag war., denn vor allem meine Kollegen waren der Hammer. Welche Rezeptionistin lässt sonst freiwillig ein Make-up Tutorial vom Hausmeister über sich ergehen? 

In dem Sinne: Hasta pronto chicos!

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Auszeit in Madrid

Am zweiten Adventswochenende hatte ich mal wieder zwei aufeinanderfolgende freie Tage und habe auch gleich wieder meine sieben Sachen gepackt. Als mein letztes großes Ziel auf dieser Reise wollt ich unbedingt noch die Hauptstadt Madrid sehen, von der mir jeder vorgeschwärmt hat. Und wie das halt so ist, wenn man weite Strecken hinter sich legt muss man den Nachtbus nehmen. Nach meiner Spätschicht am Samstagabend habe ich meine kleine Tasche packt, mich nochmal für 3 Stunden aufs Ohr gelegt und geschlafen. Gegen 3 Uhr morgens ist der Bus dann in Richtung Madrid aus der Stadt heraus gerollt. Als ich in Madrid wach wurde habe ich als aller erstes Regen gesehen. Ganz große klasse! Zum Glück gibt es eine überbrückte Verbindung zur U-Bahn. ^^
Angekommen im Hostel war ich noch müder als um 3 Uhr in Valencia. Also erstmal alles wie in Barcelona. Schal als Decke umfunktionieren, Tasche als Kissen, auf eins der Sofas legen und eine Runde schlafen. Aufgeweckt wurde ich von einer Putzfrau, die versucht hat den Boden zu wischen. Ich bin dann auch los in Richtung Café für ein Frühstückchen. Gestärkt aber weiterhin vom Regen verfolgt bin ich zum Museo del Prado gestolpert. Es heißt, das ist DAS Museum schlecht hin in Spanien und in Madrid sowieso.  Gewappnet mit dem Bilderführer des Museums bin ich durch die 3 Etagen und Keller des Gebäudes gelaufen, erst durch menschenleere Gänge und dann vorbei an Warteschlangen an die berühmtesten Werke.




Glücklicherweise hat sich nach 3 Stunden in dem Museum auch endlich das Wetter beruhigt und ich konnte in Ruhe zu dem sonntags Flohmarkt El Rastro im Viertel Lavapiés. Das scheint der Treffpunkt schlecht hin für alle Madrider zu sein. Für mich beeindruckend und wunderschön.



Durch das Viertel Austria gelangt man letztendlich an die Kathedrale von Madrid Catedral de la Santa María la Real de la Almudena die von außen und inner mächtig, prunkvoll und unübertrefflich erscheint, BIS man die Krypta, versteckt durch einen Hintereingang, betritt. Dort wird alles übertroffen was man zuvor gesehen hat. Von insegesamt 365 Säulen verschiedener Größe wird die kleine Kathedrale gestützt, deren Mittelpunkt der Altar mit dem Bild der "Virgen de la Almudena" bildet.




Direkt gegenüber der massiven Kirche befindet sich das Schloss des Spanischen Königshauses Palacio Real. Als kleiner royal Bewunderer konnte ich mir einen Besuch nicht verkneifen. Viel zu mächtig, viel zu viel Gold, viel zu viel Mamor, viel zu viel Teppich an den Wänden und und und. Insgesamt atemberaubend und einschüchternd zugleich. Es ist definitiv kein Ort zum Wohnen, bzw. fällt es mir schwer ein Wohlgefühl in irgendeiner Ecke der mir bekannten Flure und Zimmer zu finden. (Verbotenerweise hier ein paar Bilder.)




Vorbei am Plaza de Oriente ging es zum Debod Temple (ein Geschenk der Ägypter an Spanien). Es ist so ziemlich der Shooting-platz schlecht hin in Madrid. Also habe ich auch ein paar Fotos gemacht. :P



Dann ein Geheimtipp von einem Arbeitskollegen, der für 2 Monate in Madrid gewohnt hat. Die Gran Via. Nein, einfach nur nein. Eine von Menschen und überforderten Polizisten zu gestopfte Straße. Die Hauptader der Stadt, was den Stau zu jeder Tageszeit erklärt.
Auf der Suche nach etwas zu Essen bin ich über den Plaza Mayor gestolpert, auf dem sich ein WEIHNACHTSMARKT befindet! Ich war einfach nur überglücklich! Das ist das erste Jahr ohne Adventskranz, ohne Adventskalender, ohne Weihnachtsmarkt und ohne Weihnachtsgefühl für mich. Es ist schrecklich. Madrid konnte da auch nicht unbedingt den aus Deutschland gewohnten Standard bieten. Klar wurden an jedem zweiten Stand Krippenfiguren verkauft, aber die anderen Stände haben einem nur Chinesische-Fake Produkte Verkauft. Zum Beispiel Kuhmasken. Auch die Straßenverkäufer mit ihren Selfisticks durften hier nicht fehlen. Die kleinen Stände mit Tannenschmuck und kleinen Bäumchen mussten sich an den Rand quetschen und haben von vielen Besuchern kaum Beachtung geschenkt bekommen.



Die Nacht habe ich super in dem Hostel geschlafen. Cat's Hostel kann ich nur empfehlen, besonders beeindruckend ist die Eingangshalle im Andalusischen Stil.



Durch Las Letras durch bin ich zum Parque de el Retiro dort kann man nicht nur das bekannte Monument am See sehen sondern auch versteckte Ausstellungen, wie zum Beispiel im Palacio de Cristal.




Dort hätte man im Sommer bestimmt einen ganzen Tag verbringen können.
Zwischenstopp habe ich dann im Bahnhof Atocha gemacht. Klingt erstmal nicht so spannend, aber dort drin befindet sich eine Art Indoor-Urwald.



Nach dieser "tropischen" Pause bin ich weiter in ein anderes großes Museum der Stadt gegangen. Museo Nacional, Centro de Arte, Reina Sofia. Von Moderner Kunst in der vierten Etage, einer Terrasse mit Blick über die ganze Stadt bis hin zu vielen alten Werken in den unteren Etagen. Jeder Geschmack wurde in mindestens einer Etage bedient.



Dann bin ich einfach weiter durch die verschiedenen Viertel der Stadt gelaufen und hier und da ein paar wunderschöne Ecken entdeckt. Meine Lieblingsviertel bleiben allerdings Las Letras und Lavapies.



Natürlich bin ich auch Sehenswürdigkeiten wie Puerta del Sol abgelaufen, aber die waren immer menschen überfüllt oder man wurde von Winnie-Pooh-Kostüm-Leuten belästigt.
In dem Stadtplan vom Hostel war als Geheimtipp angegeben: Sonnenuntergang - Park hinter der Kirche San Francisco el Grande.



Wunderschön! Vorbei an ein paar kleinen Kirchplätzen, wo Kinder Fußball gespielt hatten. Als letztes bevor ich leider wieder nach Hause muss bin ich abermals in Richtung Weihnachtsmarkt marschiert. Ein paar Typen aus meinem Hostelzimmer haben gesagt, auf kleineren Plätzen hinter dem Plaza Mayor liegen viel schönere, weihnachtlichere Stände. Und sie hatten Recht! Einen Handarbeits-Weihnachtsmarkt und einen Süßigkeiten-Weihnachtsmarkt habe ich gefunden. Letzterer war natürlich mein Highlight. (Nicht wundern, wenn ich zugenommen habe. )



Mit vollem Bauch und einem guten Gefühl bin ich wieder zurück nach Valencia. Dummerweise waren alle Fahrradstationen in der Nacht geschlossen (warum auch immer),auf einen Bus hätte ich 30 min warten müssen und für ein Taxi war ich zu geizig. Also bin ich ca. eine Stunde nach Hause gelaufen, habe 3 Stunden geschlafen und musste dann wegen Arbeit aufstehen. Ich habe zu keinem anderen Zeitpunkt Frühschicht so sehr gehasst wie an dem Tag. Nur mit zwei Kaffees habe ich die Augen auf halten können. Und wer mich kennt weiß ich vertrage eigentlich keinen Kaffee. :D

Madrid war alles in alles mega. Mir haben allerdings die kleinen versteckten Winkel und Gehimtipps besser gefallen als die großen Touristenattraktionen. Es ist und bleibt einfach Hauptstadt. Ich liebe eh Valencia.