Samstag, 20. Mai 2017

Nasjonaldagen 17.05 Alta

Am 17.05.1814 wurde in Eidsvoll das Grundgesetz des Königreichs Norwegen verabschiedet. Dieser Verfassungstag übernimmt die Funktion des Nationalfeiertags.
Schon Wochen zuvor kann man in jedem erdenklichen Laden Anstecker, Fahnen, Wimpel und viele anderen Dekorationsartikel in den nationalen Farben rot, blau und weiß kaufen.
Ein "gewöhnlicher" Nationalfeiertag beginnt mit Waffeln zum Frühstück! Beliebte Toppings sind zum Beispiel Schoki oder Früchte. Gestärkt bricht man zur Parade auf.
Die meisten Norweger ziehen für diesen Anlass ihre Tracht an. Die Trachten sind individuell, so dass man der Schönheit und Vielfalt mit einfachen Fotos nicht wirklich gerecht wird. Wer sich nicht mit Trachten schmückt, ziert das eigene Outfit mit einem Anstecker, welcher die norwegische Flagge zeigt. Auch Kinder laufen  in Sonntagskleidung umher und Babys die noch im Kinderwagen geschoben werden bekommen den Wagen mit Flaggen und Bannern geschmückt.



Es scheint, als ob die ganze Stadt die Fahne schwenkt. Selbst jeder Blumentopf wurde mit jeweils 2 Fähnchen verziert. Um nicht als Touristen aufzufallen zwischen den ganzen Norwegern haben Marcius und ich einen Blumentopf seiner Fahnen beraubt und uns an die Hauptstraße gestellt um die Parade zu empfangen. (Aber psst!)


Alta ist mit 13'000 Einwohnern keine große Stadt. Außerdem wollen die meisten Einwohner selber in der Parade mit laufen, damit bleiben kaum Leute übrig, die vom Straßenrand aus zuwinken können. Was tut man also? Genau - Es gibt zwei Paraden, die sich von beiden Enden der Stadt entgegen laufen und in der Mitte treffen. So können sich alle Leute der Stadt zum Feiertag zuwinken und trotzdem Teil einer Parade sein. Clever.

Angeführt werden die Paraden von einem Polizisten, ihm folgen Kinder, welche die Flaggen schwenken. Dahinter schließen sich Bläsergruppen, Schulklassen und Kindergärten an. Jede Schule/ Kindergarten wird dabei angeführt von ihrem Patchwork-Banner.


Am Ende beider  Routen treffen die Paraden auf dem großen Platz in der Innenstadt zusammen. Man würde nicht vermuten, dass der Platz so voll gestopft sein könnte.

Als alle versammelt waren hörte man aus einer Seitenstraße plötzlich laute Musik und eine Reihe von Oldtimern fuhr auf den Parkplatz. Gefolgt wurden sie von den Wagen der RUSS. Russ sind die Schüler im Abschlussjahr. Von Anfang Mai bis zum Nationalfeiertag laufen sie in Overalls (rot, blau oder schwarz - die Farben stehen für ihre Neigungskurse) herum und feiern das Ende ihrer Schulzeit.



Auf dem Platz folgen einige Reden, Musik und Tanzgruppen. Wenn ihren Teil zum Besten gegeben haben, kehrt man zurück nach Hause für KUCHEN! Ganz wichtig.  Auch in Ongajok, unserer Lodge, hat ein herrlicher Strawberry-Cheesecake auf uns gewartet. Den Tag haben wir dann mit einem Besuch in der Hauseigenen Sauna abgerundet.

Da bleibt mir nur eins zu sagen: Gratulerer med dagen!


Sonntag, 7. Mai 2017

Ålesund und Bergen

Für eine Woche konnte ich dem verschneiten Tal in Alta "entfliehen". Unterschiedlicher hätten die Eindrücke in dieser Woche nicht sein können! Von dem verschneiten Alta ging es in die frühlingshafte Jugenstilstadt Alesund und weiter in eine überfüllte UNESCO Weltkulturerbestadt Bergen. 

Nach gefühlt unendlich vielen Flügen, bin ich endlich auf einer der vielen Inseln der Stadt Alesund gelandet. Überraschenderweise bei blauem Himmel und Sonnenschein. Die Region ist bekannt dafür an über 200 Tagen im Jahr von Regen heimgesucht zu werden. 
Um einen Eindruck der Stadt zu bekommen bin ich auf den Berg "Aksla" gestiegen. 481 Stufen später ... 
  

Selbst das Zentrum der Stadt liegt auf mehrere Inseln verteilt. Bekannt wurde die Stadt, durch die Unterstützung von Kaiser Wilhelm II. Nach einem Brand, der die ganze Stadt 1904 zerstörte, half der deutsche Kaiser beim Wiederaufbau. Innerhalb von 3 Jahren wurde die Stadt brandsicher im Jugendstil neu gebaut.



Nach einem Picknick am Leuchtturm. Habe ich mich in den Gassen der kleinen Hafenstadt verloren. Erst zum Sonnenuntergang bin ich wieder an der Hafenpromenade angekommen. Ein wunderbar friedlicher Moment!


Früh am Morgen ging es mit einiger Angst, der Pilot hat technische Schwierigkeiten am Flugzeug erwähnt, weiter nach Bergen. Nach über einem Monat in der Einsamkeit bzw. kleinen Städtchen musste man sich erst einmal an die großen Menschenmengen, Straßenbahnen und Ampeln gewöhnen. Das hat schon einen halben Tag gedauert! Verloren in dem Straßenwirrwarr habe ich schöne Ecken entdecken können!


Von dem Berg "Floyen" habe ich zusammen mit Ziegen (!) den Ausblick genossen. Etwas bizarr aber unvergesslich!


Bekannt ist Bergen für "Bryggen" (deutsche Brücke) zu Zeiten der Hanse geworden. Bergen selber war nie eine Hansestadt, sondern nur Kontor. 


Der Tag hat mit der Besichtigung der Festungsanlage "Bergenhus" geendet. Die Anlage ist riesig aber die eigentlichen Gebäude auf dem Gelände sind im Vergleich eher winzig.


Zum Schluss noch meine absoluten Highlights! 
1) Eine Fjordrundfahrt! 
Eingemummelt in Schal, Stirnband, Pulli, Jacke, etc. bin ich fast auf dem Oberdeck erfroren! Die Aussicht war es aber alle mal Wert. Wie von Zauberhand tauchen die Berge in saftig-leuchtenden Farben aus dem Wasser.  



2) Eine Wanderung auf den höchsten Stadtberg von Bergen.
So langsam zweifel ich an meinem Orientierungssinn! Auf dem Weg zum Gipfel habe ich nur 2 Leute getroffen und bin durch das Unterholz gestolpert. (Die bräuchten echt mehr Wegweiser.) Belohnt wurde man aber mit der Aussicht auf die Stadt, Bergseen und ... Schneefelder. 




Mit Muskelkater und Sonnenbrand habe ich ein letztes mal den Sonnenuntergang vom Hafen aus beobachtet. 


Man meisten an der Reise werde ich die neu gewonnenen Freunde vermissen! Aus den verschiedensten Ländern, aus den verschiedensten Gründen kamen wir irgendwie im Gemeinschaftsraum des Hostels zusammen. Geschichten, Essen und Tipps wurden geteilt. 

Zurück in Alta taut bereits das Eis und man muss sich fürchten bald zu ertrinken. Aber zum Glück herrscht gerade wieder ein Schneesturm, also ist alles beim Alten!